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Weniger Nadelstiche bei längeren Infusionstherapien: PICC-Line & Midline-Katheter

Wer über mehrere Wochen oder Monate regelmäßig Infusionen benötigt, kennt häufig das Problem: wiederholte Venenpunktionen, schmerzende Einstichstellen und zunehmend schwer zugängliche Venen.

Besonders bei längeren Antibiotikatherapien – beispielsweise bei einer Endokarditis, Osteomyelitis, komplizierten Wunden oder Neuroborreliose –, intravenösen Medikamentengaben, künstlicher Ernährung über die Venen oder regelmäßigen Aufbauinfusionen kann dies zu einer erheblichen Belastung werden.

PICC-Line- und Midline-Katheter bieten hier eine Alternative. Sie ermöglichen einen längerfristigen venösen Zugang, ohne dass für jede Behandlung erneut eine Vene punktiert werden muss. Beide Systeme können für Infusionstherapien außerhalb eines Krankenhauses genutzt und ambulant gelegt werden.

Was ist eine PICC-Line und was ist ein Midline-Katheter?

Beide Systeme bestehen aus einem dünnen, flexiblen Kunststoffschlauch, der über eine Vene am Oberarm eingeführt wird. Der wesentliche Unterschied liegt darin, wie weit der Katheter innerhalb des Blutgefäßsystems vorgeschoben wird.

PICC-Line

PICC steht für Peripherally Inserted Central Catheter. Der Katheter wird über eine Oberarmvene eingeführt und bis in die obere Hohlvene nahe dem Herzen vorgeschoben. Er ist damit ein zentralvenöser Zugang und eignet sich auch für bestimmte Medikamente oder Infusionslösungen, die über kleinere periphere Venen nicht verabreicht werden sollten.

Die typische Anwendungsdauer beträgt etwa ein bis sechs Monate.

Midline-Katheter

Der Midline wird ebenfalls über eine Vene am Oberarm eingeführt, endet jedoch bereits in einer größeren peripheren Vene vor dem Achselbereich. Er eignet sich insbesondere für Infusionstherapien, die über mehrere Tage oder Wochen erfolgen und keine zentralvenöse Verabreichung erfordern.

Die typische Anwendungsdauer beträgt etwa eine bis sechs Wochen.

Wann ist ein solcher Katheter sinnvoll?

PICC-Line und Midline kommen insbesondere dann infrage, wenn eine regelmäßige oder längerfristige intravenöse Therapie erforderlich ist. Typische Anwendungsgebiete sind:

  • längere Antibiotikatherapien (APAT)
  • intravenöse Flüssigkeits- und Nährstoffgaben (parenterale Ernährung)
  • intravenöse Aufbautherapie im häuslichen Umfeld
  • bestimmte Schmerztherapien
  • onkologische Behandlungen (kurzzeitige Chemotherapie)
  • regelmäßige Blutabnahmen bei sehr schlechten Venenverhältnissen

Ein wesentlicher Vorteil ist die Möglichkeit, Infusionstherapien ambulant oder bei geeigneter medizinischer Betreuung auch im häuslichen Umfeld durchzuführen. Dadurch können wiederholte Venenpunktionen und unter Umständen längere Krankenhausaufenthalte vermieden werden.

Welche Medikamente über das jeweilige Kathetersystem verabreicht werden dürfen, muss individuell ärztlich geprüft werden.

Wie läuft die Anlage ab?

Die Anlage eines PICC-Line- oder Midline-Katheters erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung und sterilen Bedingungen. Mithilfe eines Ultraschallgerätes wird zunächst eine geeignete Oberarmvene ausgewählt und punktiert. Anschließend wird der dünne Katheter vorsichtig in das Blutgefäß vorgeschoben.

Bei einer PICC-Line wird zusätzlich die korrekte Position der Katheterspitze überprüft, beispielsweise mittels spezieller EKG-Technik oder bildgebender Verfahren. Anschließend wird der Katheter mit einem speziellen Fixierverband gesichert.

Der Eingriff dauert häufig etwa 15–30 Minuten, abhängig von den individuellen anatomischen Verhältnissen. Eine Vollnarkose oder größere Operation ist normalerweise nicht erforderlich. Auf Wunsch erhalten Patienten in unserer Praxis – ähnlich wie bei einer Darmspiegelung – eine Sedierung (Dämmerschlaf).

Was muss im Alltag beachtet werden?

Nach der Anlage kann der Arm in der Regel weiterhin normal bewegt werden. Wichtig ist jedoch, dass der Katheter vor Zugbelastung geschützt wird und die Einstichstelle sauber und trocken bleibt.

Regelmäßige sterile Verbandswechsel und eine fachgerechte Katheterpflege sind entscheidend, damit das System über längere Zeit zuverlässig genutzt werden kann.

Auch wenn beide Katheter als etablierte venöse Zugangsverfahren gelten, sind Komplikationen wie Infektionen, Gefäßthrombosen, Katheterverschlüsse oder Lageveränderungen möglich. Bei neu auftretenden Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen am Arm sowie bei Fieber oder Schüttelfrost sollte deshalb umgehend eine ärztliche Abklärung erfolgen.

In der Praxis Dr. Şimşek werden Patienten und Katheter mindestens einmal pro Woche kontrolliert. Dabei werden Funktion und Lage überprüft sowie der Verband gewechselt. In besonderen Fällen kann dies durch einen spezialisierten ambulanten Pflegedienst übernommen werden.

Mehr Komfort bei längeren Behandlungen

Für Patienten, die über einen längeren Zeitraum auf intravenöse Therapien angewiesen sind, können PICC-Line und Midline den Behandlungsalltag deutlich erleichtern. Statt wiederholter Nadelstiche steht ein längerfristig nutzbarer Venenzugang zur Verfügung.

Welches der beiden Systeme am besten geeignet ist, hängt insbesondere von der geplanten Therapiedauer, den eingesetzten Medikamenten, den individuellen Venenverhältnissen und möglichen Risikofaktoren ab.

Nach einer persönlichen ärztlichen Beratung lässt sich entscheiden, ob und welcher Katheter für die jeweilige Behandlung sinnvoll ist.